27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Mit dem Konzertprogramm „Ein Gebet für mich“ der Künstlerin Bente Kahan wurde heute Vormittag im Sächsischen Landtag an den 81. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. Dabei wurden künstlerische Werke, die vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben und komponiert wurden, präsentiert.

Im Anschluss an diese eindringliche Darbietung fand vor der Kreuzkirche die traditionelle Namenslesung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Auch Martin Modschiedler wirkte an dem Gedenken mit.

Rund 850 Namen von Dresdner Jüdinnen und Juden sind in diesem Jahr hinzugekommen, deren Schicksale bislang unbekannt waren. Zudem wurden die Namen der ermordeten Sinti und Roma sowie die Namen der Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die im „Entbindungslager Kiesgrube“ ihren frühen Tod fanden, verlesen. Das Lager entstand nach der Deportation der letzten Dresdner Jüdinnen und Juden im März 1943 und steht exemplarisch für die unmenschliche Behandlung von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern. Zwischen Mai 1943 und Kriegsende wurden dort mindestens 497 Kinder geboren, von denen viele nach kurzer Zeit starben.

Weremember

Martin Modschiedler:

"Erinnern heißt Haltung zeigen: gegen Antisemitismus und Extremismus, für Demokratie und Menschenwürde. Diese Verantwortung zeigt sich auch konkret vor Ort. In meinem Wahlkreis erinnern mehr als 60 Stolpersteine an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. In unmittelbarer Nähe meines Wahlkreisbüros, am Friedensplatz, befinden sich allein vier Stolpersteine – stille, aber eindringliche Mahnmale mitten im Alltag."

Werner Hofmann

Erinnerungen beginnen vor der Haustür

So befand sich unter anderem in der Kyffhäuserstraße 15 eines der sogenannten Judenhäuser, in dem das Ehepaar Henriette und Viktor Bodländer lebte, bevor sie am 7. September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Wenige Straßen weiter erinnert ein Stolperstein in der Lene-Glatzer-Straße 23 an den Elektroingenieur Dr. Werner Hofmann, der nach 1933 zunehmenden Repressalien ausgesetzt war, darunter die Aberkennung seiner Ehrendoktorwürde und der Ausschluss aus dem Hochschulbetrieb. In der Mendelssohnallee 10 wird an Irene und Bruno Gimpel gedacht. Wiederholte Verhaftungen, gesundheitliche Einschränkungen, Schikanen gegen seine nichtjüdische Ehefrau sowie die drohende Deportation raubten Bruno Gimpel zunehmend den Lebensmut. Auch Irene Gimpel war aufgrund ihrer Ehe von der nationalsozialistischen Ausgrenzung betroffen; sie überlebte die Kriegsjahre.