Martin Modschiedler:
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ heißt es in dem Gedicht „Stufen“ des Schriftstellers Hermann Hesse. Es erzählt von Aufbruch, Wandel und Beständigkeit. Es ist eine Ermunterung, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken und neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen zu bleiben.
Ich habe in den vergangenen Wochen oft über diese Zeile nachgedacht. Die Wahl zum Sächsischen Integrationsbeauftragten ist für mich so ein Aufbruch. Mit ihm verbinden sich neue Chancen und Herausforderungen, aber auch ein Abschied. Nach fast 12 Jahren im Amt habe ich Anfang November den Staffelstab als rechtspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion übergeben. Ganz im Sinne Hermann Hesses blicke ich dankbar auf diese Zeit zurück – und optimistisch nach vorn.
Von den persönlichen Lebenswegen einmal abgesehen, gibt es natürlich noch eine ganz andere, weiter gefasste Perspektive. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist eine Geschichte von Auf- und Umbrüchen. Ich denke an all die Entdecker, Tüftler und Gelehrten, die unsere Gesellschaft mit Mut und Neugier vorangebracht haben. Ich denke aber auch an umwälzende historische Ereignisse wie die Völkerwanderung, die Reformation oder die Friedliche Revolution.
„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, das wusste Heraklit schon vor 2500 Jahren. Doch das Tempo und die Komplexität, mit denen sich Veränderungen heute vollziehen, sind um ein Vielfaches höher. Globalisierung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind da nur einige Stichworte.
Aber wie begegnen wir Zukunftsängsten oder dem Gefühl, kaum noch Schritt halten zu können? Wie verhindern wir, dass Veränderungsmüdigkeit überhandnimmt und unsere Gesellschaft lähmt? Wie bringen wir den Hoffnungsmotor wieder zum Laufen?
Machen wir uns bewusst, dass wir Veränderungen immer auch mitgestalten können – im Kleinen wie im Großen. Besinnen wir uns auf die Ankerpunkte in unserem Leben. Es geht um Dinge, die uns im Leben tragen: Menschen, die an mich glauben, Werte, die mir Orientierung geben, oder der Glaube, der mir Mut macht. Es geht um Beständigkeit. Oft finden wir sie in den kleinen alltäglichen Dingen.
Wandel und Beständigkeit stehen nicht im Widerspruch zueinander. Sie ergänzen sich. Dank ihnen bleiben wir neugierig und finden gleichzeitig Halt in stürmischen Zeiten.
Auch die Weihnachtsgeschichte erzählt von Wandel und Beständigkeit. Sie erzählt von der Geburt eines kleinen Kindes und vom Aufbruch in eine neue Zeit. Sie erzählt von der Liebe Gottes, die nicht vergeht, auch wenn alles in Bewegung gerät. Vielleicht liegt darin die Botschaft von Weihnachten: Der Wandel gehört zum Leben, aber wir sind ihm nicht schutzlos ausgeliefert, denn Gott bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2026.